Wesel-Lackhausen

Balve-Mellen

 

Zeitungsartikel “Wo liegt die eigene Heimat” aus der Rheinischen Post vom 12. Oktober 2010

VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 12.11.2010

Wesel (RP) Winnie Rüth (56) fühlt sich wohl in Lackhausen. Der Geschichtslehrer am Berufskolleg Wesel und gebürtige Sauerländer pflegt im Internet seine ganz spezielle Art der Liebe zur Heimat. In Mellen ist er Lausbub geblieben.




Winfried Rüth mit einem Foto seiner sauerländischen Heimat: Auf zwei Internetseiten hat der Pädagoge seine persönliche Vorstellung von Heimat ganz plastisch auf den Punkt gebracht – in Wort und Bild. RP-Foto: Ekkehart Malz

Heimat: Klingt schon ein wenig angestaubt, romantisch eben und schwärmerisch, wertvoll erst, wenn man sie vermisst. Goethe und Eichendorff lassen grüßen. Wieso beschäftigt sich ein Mann wie Winnie Rüth (56), der als Geschichtslehrer am Berufskolleg mitten im Leben steht, mit diesem Thema? Er hat eigene Heimatgefühle analysiert und spürt in Wort und Bild auf zwei Internetseiten der Bedeutung des Begriffs ganz plastisch nach. Da weiß man schnell wieder, was Heimat bedeuten kann.

Rüth spricht allen aus der Seele, die es beruflich an einen anderen Ort verschlagen hat. Seit 25 Jahren lebt er in Lackhausen, ist glücklich verheiratet, hat drei Kinder und ein urgemütliches Haus, in dem man den Heimatduft geradezu schnuppern kann. Dennoch: Die moderne Wohnstadt Lackhausen ist das Gegenteil eines gewachsenen Dorfes mit uralten Traditionen wie Mellen bei Balve im Sauerland, wo Rüth aufgewachsen ist.

INFO

Stille Betrachtungen

Auf www.balve-mellen.de oder www.wesel-lackhausen.de arbeitet Winnie Rüth mit Filmen und Fotos so persönlich wie informativ das Thema Heimat auf. Tipp: Keinesfalls Winnie als Knirps in Pumphosen (unter "Stille Betrachtungen") entgehen lassen.

Kleine Fluchten

"An Lackhausen schätze ich, dass ich im Grünen lebe, nah bei der Arbeit. Die Nachbarschaft ist gut, die Infrastruktur inzwischen auch." Vieles hat er selbst mit angepackt, wurde so zum Lackhausener. Mit der Kamera hielt er Lieblingsplätze wie Gut Bossigt oder die Lindenallee fest. Hier finden seine Fluchten aus dem eng bebauten Gebiet statt.

Trotzdem: Immer wieder zieht es ihn ins Sauerland, in jenen kleinen, 300 Meter hoch gelegenen Flecken, wo seine Wiege stand. Über Mellen spricht er anders als über Lackhausen. Herz, Erinnerungen und Sehnsüchte schwingen mit: "Das ist ein idyllisches Dörfchen mitten in einem Talkessel, ganz abgeschieden. Für mich immer wieder faszinierend. Da steht kein Auto im Carport, sondern ein Trecker." Klingt nach Liebe. Fotos sprechen für sich.

Der Blick aus dem Elternhaus zeigt sanfte Hügelketten, grüne Wiesen, Kühe und Pferde. Die Meller Düfte erzählen Heimatgeschichten: das frische Holz im Sommer, das Schlachten im Herbst. Zur Heimat gehört Essen und Trinken: Auf das, was Mutter immer noch für ihn kocht, freut er sich gewaltig. "Der geräucherte Schinken, die Reibekuchen oder der Grünkohl – so etwas bekomme ich in Lackhausen natürlich nicht!" Oder der Kaffee bei Nachbarn in den schmucken Bruchsteinhöfen, wo er stets reinschneien darf. "Zuhause gehe ich überall hin. Dort bin ich der Lausbub geblieben." Für ein paar Tage ist dann die Lehrerrolle vergessen. Auf einer DKW RT 200, Jahrgang 54, fährt er manchmal die drei Stunden bis Mellen. Es fühlt sich fast an wie damals, als es für den 13-Jährigen nicht Tolleres gab als Motorradspritztouren – ohne Führerschein. Hin und wieder zieht's ihn noch zur engen Höhle im Hönnetal, in die er als Pfadfinder mit einem gewissen Gruseln vordrang. Die Eltern sind heute sehr alt, der Vater pflegebedürftig. Jedes Mal, wenn Winnie Rüth das Dorf verlässt, schmerzt das. Lackhausen ist Gegenwart und Zukunft, Mellen aber weit mehr als Vergangenheit: Heimat eben.

 
HomeHome.html
Stille BetrachtungenStille_Betrachtungen.html
KurzfilmeKurzfilme.html
RadtourenRadtouren.html
Vereine und mehrVereine_und_Mehr.html
   HeimatfrageHeimatfrage.html
   MedienberichteMedienberichte.html
BrauchtumBrauchtum.html